Sonntag, 13. Januar 2013

Manchmal werden uns Wunden zugefügt, die nie wieder verheilen

Ich spüre wie du deine Arme um meine Taille legst und mich an dich ziehst. Meinen Rücken ganz fest an deine Brust drückst. Ich schließe die Augen, drücke sie ganz fest zu damit ich dich nicht ansehen muss. Vielleicht muss ich so ja auch nichts fühlen. Vielleicht sind meine Gefühle dann automatisch weg. Ich hab mal gehört, dass wenn man keinen Ausweg mehr sieht, sich an irgendeine alberne und banale Vorstellung klammert. Vielleicht mache ich das ja gerade. Deine linke Hand streicht sachte über meinen Hüftknochen und lässt eine brennende Spur zurück. Ich zucke kurz zusammen und du versteifst dich. "Nicht" sagst du leise und küsst mich auf meinen Scheitel. Ich bewege mich nicht. Sage nichts. Atme nicht. Vor Angst vor dem was du  tust und vor Angst das du gehst. "Nicht schon wieder" fügst du jetzt lauter und entschlossener hinzu und mit diesen Worten lässt du mich stehen und gehst zu den anderen zurück. Ich bleibe noch ein paar Sekunden stehen, versuche mich zusammenzureisen. "Was ist los?" höre ich Collins Stimme hinter mir fragen und höre wie er näher kommt. Ich schüttel schnell den Kopf doch er kommt trotzdem, legt seine Hand auf meine Schulter und versucht mich zu sich umzudrehen. "Was hat er gesagt?" frägt er eindringlich, doch eigentlich ist es mehr ein Befehl als eine Frage. Ich schüttel wieder nur den Kopf, denn ich weiß wenn ich versuche meinen Mund zu öffnen um etwas zu sagen, würde ich entgültig die Fassung verlieren, deswegen renne ich einfach an ihm vorbei, raus in die dunkle Nacht und bin froh das es so kalt ist. Die Kälte scheint meinen Kopf leerzufegen und alle Gedanken kurz einzufrieren. Ich hole tief Luft und lasse mich auf eine Bank nieder. Ich lege mir einen Arm um meinen Bauch weil ich das Gefühl habe zu zerfallen. Ganz langsam. Immer mehr und mehr. Wie lange muss man in der Kälte sitzen bis man einschläft und nie wieder aufwacht? Die Zeit zieht so schnell an mir vorbei. Viel zu schnell. "Bist du bescheuert man?" höre ich Collin irgendwann schreien der an der Haustüre steht und mich verwirrt ansieht. "Es sind Minusgrade und du sitzt dort im Top man!" Ich drehe meinen Kopf langsam zu ihm und sehe ihn an. Ich zucke müde die Schultern was ihn irgendwie wütend werden lässt und er sich einfach umdreht und reingeht nur um wenig später mit dir rauszukommen. Deine Augen weiten sich kurz, doch dann werden sie ausdruckslos. "Sie sitzt da schon seid einer Stunde oder so, ich hab sie echt überall gesucht" sagt Collin leise zu dir, als müsste er sich deswegen rechtfertigen. Wahrscheinlich denkt er ich würde es nicht hören, was mich fast schon lächeln lässt. Eine Weile stehst du nur vor mir und siehst mich an. Deine Augen sind ganz starr auf mich gerichtet. Du denkst über etwas nach. "Was tust du nur" murmelst du leise, greifst nach meiner Hand und ziehst mich hoch. Ich spüre deine Berührung nicht. Ich spüre gar nichts mehr, was mich lächeln lässt. Kurz lässt du meine Hand wieder los um deinen Pullover auszuziehen und in mir überzustreifen. Wieder siehst du mich an, streichst sacht mit deinen Fingerspitzen über meine Wange und lächelst. Leise flüsterst du meinen Namen. Mehrmals hintereinander. Irgendwann wendest du den Blick von mir ab und reichst mir deine Hand und ich ergreife sie, wie immer. Denn wie sollte es auch anders sein.

Kommentare:

  1. Ich freue mich das du etwas geschrieben hast doch gleichzeitig bin ich unheimlich traurig darüber. Der Text gibt kein Grund zum Freuen. Du hast dich entschieden. Das respektiere ich. Aber du bist nicht glücklich damit. Du bist eingesperrt. Du bist gefangen. Lass dich selbst frei.

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  2. Hey, du wurdest soeben von mir getaggt :) Weitere Informationen findest du hier:
    http://everybodyhurts-everybodycries.blogspot.de/2013/01/ich-wurde-von-mary-und-cinderella.html

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  3. ich liebe wie du schreibst
    und finde es zugleich so unglaublich traurig

    weine.

    <3

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  4. ich bin erleichtert. erleichter, das du mir geschrieben hast. ich danke dir dafür. ich danke dir, das du mir ein zeichen gibst. ein zeichen das du noch am leben bist, und irgendwie auch nicht. du atmest zwar, aber so wie leben fühlt es sich nicht an. ich wünschte es wäre anders, aber ich kann es nicht ändern, ich weiß, und das tut mir leid.

    ich weiß, ich sollte den licht nicht folgen. ich sollte reinspringen in die welt und zeigen das ich da bin. aber ich sehe kein grund dazu, denn ich passe einfach nicht in die welt hinein. ich bin ein lebloses wesen, was in das laute leben einfach nicht hereinpasst.

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  5. Ich verliere mich immer wieder in deinen Posts. Es ist so wundervoll wie du schreibst und bringt die Gefühle so perfekt rüber. Ich wünsche dir alles gute.
    Habe dir übrigens einen Blogaward verliehen. (:

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  6. clary, ich bin noch da, still und leise lese ich auch noch deinen blog. ♥
    und weil ich dazu kam einen award verteilen zu dürfen warst du quasi die erste die mir in den sinn kam.

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